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In Sorge um die Landwirtschaft

Grüne und Bauernverband finden bei Wahlveranstaltung zu Gemeinsamkeiten

 

Sterben die bayerischen Bauern aus? Werden unsere Lebensmittel von riesigen Landwirtschaftsbetrieben in den USA oder Australien kommen? Und die berühmte Landschaft, die Kulturlandschaft, wird sie verschwinden, weil Büsche und Bäume wieder unkontrolliert wuchern? Dass diese Fragen nicht so weit von der Realität entfernt sind, zeigte jüngst eine Diskussion zwischen Grünen-Politikern und einem Vertreter des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) in Puchheim.

Zwei Wochen vor der Bundestagswahl ist die Veranstaltung in Takis Taverne in Puchheim natürlich auch Wahlkampf. Die Direktkandidatin für den Wahlkreis Dachau-Fürstenfeldbruck, Beate Walter-Rosenheimer, wird die Diskussion zwischen Sigi Hagl, der Vorsitzenden der Grünen in Bayern, und Josef Huber, dem BBV-Kreisobmann aus Puchheim, moderieren. Man habe bereits bei einigen Gelegenheiten gemerkt, dass sie viele Berührungspunkte mit den Bauern hätten und dass auch seitens vieler Landwirte ein Umdenken Richtung mehr Umweltfreundlichkeit stattfinde, erklärt Rosenheimer. Den gemeinsamen Dialog „wollen wir auch jenseits der Wahlen weiterführen“, betont sie.

Huber, verheiratet, drei Kinder, 43 Jahre, stellt sich als „Landwirt aus tiefstem Herzen“ vor. Er bestätigt Walter-Rosenheimers Einschätzung vom Bauern, der weit stärker mit der Natur und seiner Heimat verbunden sei als jemand, der seinen Lebensunterhalt zum Beispiel mit Büroarbeit verdiene. So gehe es im Grunde allen Landwirten. Und deshalb gebe praktisch keiner seinen Beruf auf, solange es noch anders gehe. Und anders dauere es oft noch lange, da ein Landwirt in der Regel eine gewisse Substanz in Form von Grund und Landmaschinen besitze. Doch realistisch betrachtet, seien die Preise für die Pacht, Nebenkosten und Arbeit in Bayern so hoch, dass Landwirte dort „nie weltmarktfähig produzieren können“.

Sigi Hagl nickt bestätigend, sie kennt die Problematik gut. Ein Aspekt ist der Verbrauch von Flächen, bei dem Bayern bundesweit an erster Stelle steht. 13 Hektar am Tag oder „im Jahr in Bayern eine Fläche so groß wie der Ammersee“, wie Walter-Rosenheimer veranschaulicht, werden kontinuierlich zugebaut. Mindestens genauso schnell steigen die Boden- und damit auch die Pachtpreise für die Landwirte. Um diese Entwicklung aufzuhalten will Hagl den Flächenverbrauch reduzieren. Maximal fünf Hektar am Tag sollen noch verbaut werden dürfen, Experten zufolge würde das bei sinnvoller Bebauung keinen Verlust bedeuten. „Wir haben Gewerbegebiete zum Sau füttern, 40 Prozent davon stehen leer“, unterstreicht Hagl, auch Nachverdichtungen und Gebäude mit Keller und Obergeschoss statt ebenerdiger Gewerbebauten könnten die Situation verbessern. Doch die von der CSU beschlossenen Gesetze, etwa zu den Gewerbegebieten, gingen genau in die andere Richtung, moniert die Grünen-Politikerin. Sie kündigt an, dass die Grünen jetzt ein Volksbegehren starten, das den Flächenverbrauch bei fünf Hektar pro Tag deckeln soll.

„Die Menschen haben den Blick für das Wesentliche verloren“, beklagt Huber. „Wir bestellen bloß noch, die Hälfte wird zurückgeschickt“, sagt er mit Blick auf das jüngst eröffnete Amazon-Verteilzentrum in Olching. Kaum einer wisse noch über die Nahrungsmittelproduktion Bescheid, entsprechend laut würden unrealistische Billigpreise gefordert. Und keinem sei bewusst, dass er als Verbraucher auch eine gewisse Macht besitze. Huber will darauf hinaus, dass der bewusste Konsum regional erzeugter landwirtschaftlicher Produkte die kleinen Landwirte stärken würde.

Hagl erwidert, diese Bauern müssten ihre Produkte besser vermarkten. „Wir nutzen beispielsweise ‚ohne Gentechnik‘ nicht“, auch Regionalität oder der geringere Einsatz von Chemie müssten besser beworben werden. „Man braucht eigentlich nur nach Österreich schauen“, die dortigen Landwirte hätten sich im Zuge des EU-Beitritts gut gegen die globale Konkurrenz aufgestellt, indem sie ihre Stärken gegenüber Großproduzenten des Weltmarkts gezielt herausstellten.

Quelle: Süddeutsche.de